Was ist eine Anhörung?

In einer Anhörung hat sich der zur Anhörung Verpflichtete beim Anzuhörenden durch geeignete Maßnahmen eine umfassenden Überblick über die Meinungen und Absichten des Anzuhörenden zu verschaffen.

Wie mache ich das bei einer Kirchengemeinde? Die Einladung zu einer Gemeindeversammlung, bei welcher 1 – 2 % der Mitglieder teilnehmen, dürfte wohl auf keinen Fall ausreichen. Wie also soll ich die Meinungen erfragen?

Wie ist es mit einer schriftlichen Anhörung? Welche Rücklaufquote muss mindestens erzielt werden?

Um den Jahreswechsel 2005 zu 2006 haben wir im Bezirk Paul-Gerhardt eine schriftliche Befragung zu den Verkaufsabsichten von Neustadt-Marien und Kirchenkreis durchgeführt.

Die Rücklaufquote auf die 1200 verschickten Fragebögen von 18,3% dürfte wohl als ausreichend angesehen werden. Bei den 220 Antworten waren 5 für Verkauf, 100 hatten angekreuzt gegen Verkauf und 115 hatten ausführlich begründet, warum sie gegen eine Verkauf sind.

Nun zu den Vorbereitungen der Fusion Neustadt-Marien und Paul-Gerhardt:

Seit 1950 ist die Landeskirche von Westfalen vor einer Fusionen verpflichtet

  1. die betroffenen Gemeindeglieder anzuhören
  2. die betroffenen Presbyterien anzuhören
  3. den oder die betroffenen Kirchenkreise anzuhören

Frage: Wann wurde durch wen wo wer angehört und mit welchem Ergebnis?

Diese Frage hat die Landeskirche bisher nicht beantwortet. Sie kann es auch nicht.

Eine Anhörung im Sinne der Kirchenordnung hat nämlich nie stattgefunden. Deshalb ist die gescheiterte Fusion zwischen Neustadt-Marien und Paul-Gerhardt nicht entsprechend den Vorschriften der Kirchenordnung zustande gekommen und kann keinen Bestand haben.

Nach den Erfahrungen der letzten Monate sollten sich die Verantwortlichen Gedanken darüber machen, wie Sie die Fusion mit Anstand rückabwickeln können.